Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

30. April 2010

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Die Kontakte von Eiland zu Eiland sind, obwohl die Inseln bis auf zwei in gegenseitiger Sichtweite liegen, äußerst gering. Es gibt kaum eine Wirtschaftsverklammerung. Die einen blicken nach London ( Jamaika, Trinidad, Barbados etc.), andere nach Paris (Guadeloupe, Martinique) oder Amsterdam (Curaao zum Beispiel), wieder andere nach Washington (Puerto Rico).

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Nur drei Staaten sind uneingeschränkt eigenständig: Kuba, Haiti, die Dominikanische Republik.  Fidel Castros Sieg 1959 über den „Napoleon der Antillen”, Fulgencio Batista, ein Weltproblem geworden. Die Isolation der kommunistisch orientierten Insel innerhalb des Archipels ist total. Haiti auf Hispaniola hat, um sich gegen die spanischsprechenden Nachbarn abzugrenzen, das Französische als Staatssprache gewählt — ein Negerstaat mit französischem Patois. Gleichfalls auf Hispaniola liegt die Dominikanische Republik. Ihre Hauptstadt Santo Domingo war zur Zeit des spanischen Imperium Sitz des Indienrats und damit der entscheidenden Kolonialbehörde.

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Die Republik hat sich nach der Ermordung des Diktators Trujillo 1961 eine nordamerikanische Intervention gefallen lassen müssen, die einen den USA genehmen Kurs anbahnte. Zu den vielen Problemen der karibischen Inselfamilien zählt auch dieses: die nordamerikanische Einmischung, öffentlich oder geheim, massiv oder subtil, unter Einsatz der Marineinfanterie oder der CIA.

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Auf den Bahamas herrscht noch politische Windstille. Sie sind seit der Puritaner-Einwanderung 1629 gut englisch, bis auf die Külpverschalung der Holzhäuser. Nur 20 der vielen hundert Eilande sind bewohnt. Als von 1940 bis 1945 der Herzog von Windsor hier als Gouverneur residierte, bewirkte dies einen Run vieler Angelsachsen auf den gesellschaftlich aufgewerteten Archipel, zumal auf die Hauptstadt Nassau auf New Providence. Die „Cays” der Bahamas — so nennt man hier die Kleininseln — sind vorwiegend schwarz besiedelt. Neben Sisalpflanzern treffen wir vor allem Fischer an.

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Zu den wenigen Stützen, auf denen die Wirtschaft ruht, kam neuerdings die Fremdenindustrie. Man hat Westindien als Erholungsparadies entdeckt. Hemingway war einer der Avantgardisten. US-Millionäre, von jeher passionierte Hochsee-Sportfischer, verbringen ihre Ferien auf Paradise Island. In Puerto Rico, Jamaika, Barbados, Haiti sprießen Hotelwolkenkratzer auf. Europa, das die Karibik und die Bahamas vor einem Halbjahrtausend entdeckt hat, rüstet nun eine zweite Conquista aus: Touristikflotten, die erholungsbedürftige Großstädter der Alten Welt in die Neue Welt der glühenden karibischen Sonne tragen.

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Von der Stille im Lande

29. April 2010

Ja, die Umwandlung jener provenzalischen Gebiete, denen, wie man sagt, „die Zukunft gehört”, in ein modernes Land hat begonnen, doch ist sie lange nicht vollendet und wird nur unter Schmerzen vieler ihrer Bewohner vor sich gehen. Indessen schaut sich der Tourist Baustellen an, gigantische Löcher und Wälle. Bei Fos-sur-Mer entsteht ein gewaltiges Industriezentrum, in dem sich womöglich auch die Fortsetzung einer modernen Geschichte aus Duisburg abspielen wird. Thyssen, der größte „Stahlkocher” Europas, der zweitgrößte der Welt, hat an der Ruhr seinen neuen Hochofen, den größten in unserem Erdteil, bremsen müssen. Zuviel Lärm, zuviel Luftverschmutzung.

So hat Thyssen beschlossen, sich an dem Industriekomplex zu beteiligen, der in Fos-sur-Mer entsteht. Nein, korrigieren wir uns schnell: Nicht allein aus Rücksicht auf die Menschen, die schlafen und atmen wollen; in erster Linie, weil die zur Stahlgewinnung nötige Kohle aus Obersee billiger ist als die aus den Ruhr-Bergwerken. Mit den Eisenerzen ist es nicht anders; Schiffe fahren sie billiger heran. Kurzum, man hat allen Grund, betroffen zu sein. Man steht da, die Hände in den Taschen, sieht die Kräne und Bulldozer arbeiten in Fos-surMer und denkt sich seinen Teil.

Muß man angesichts dieses Beispiels für die Provence fürchten? Es gibt Pessimisten, die dem Frieden nicht trauen, den das Land ausstrahlt sowohl am Meer und an den Häfen wie in den Bergen und Tälern. Aber vergegenwärtige ich mir die Landschaften des „Midi” — die Bouches-du-Rhöne und die Cöte d’Azur, drinnen im Lande das Var-Gebiet und die Alpes de Haute-Provence, im Osten die Alpes-Maritimes und im Westen Vaucluse —, so denke ich, daß die Natur stärker sein könnte als die Menschen.

Nehmen wir das Var-Gebiet: Von weit her, von hoch droben gleiten bergabwärts, hügelabwärts grünbraune Galerien zur Arena des Meeres hinab. Kommt die Dunkelheit, so gehen in dem weiten Rund überall Lichter an. Nicht gleichmäßig verteilt. Sie ballen sich hier, zerfließen dort. Muster sind nicht herauszulesen. Gleichwohl hat der Anblick Reiz und Harmonie. Die Lichter entsprechen Häusern.

Anderntags unter der Sonne, in der panischen Stille oder bei frischem Wind entdeckt man leichter die Häuser, die gestern Lichter waren. Jedes ist ins Land gesetzt, wie es sich der Besitzer erlaubte und leisten konnte. Willkürlich, eigensinnig, keiner Ordnung unterworfen. Anderswo müßte das schiefgehen. Anderswo ist es auch schiefgegangen. Aber hier, etwa in der Gegend von Grasse, macht die große Natur die kleinen, manchmal von tüchtigen Architekten unterstützten Streiche der Menschen wieder wett. Die Natur wird für die Zukunft erst recht ihre Kraft zusammennehmen müssen, ihre Sonnenwärme, ihren Lavendelduft, die Würze der herb- süßen Kräuter, die Fülle des Weins, ihr reines Himmelsblau und den Glanz des Sonnenauf- und -unterganges.

Vom Meer ins Innere des Landes hinein, von der Küste aufwärts ins Gebirge, und wir gehen in die Einsamkeit. Ehe wir in menschenleere Dörfer, zu verlassenen Höfen kommen, lernen wir alte Städtchen kennen, wo im Zentrum die Häuser malerisch und eng beieinander stehen. Wenn die letzte Zikade ihr impertinentes Zirpen eingestellt hat, der letzte Schritt in den Gassen verhallt ist: welche Stille! Eine Anekdote, nein, eher der Bruchteil eines Geschichtchens: Die Dame aus altem, vornehmen Hause ist früh zu Bett gegangen. Vor Sonnenaufgang bewegt sich die Gardine vor dem offenen Fenster und erfüllt mit frischem Hauch das Zimmer.

Die Häuser stehen so eng beisammen; die Wände geben den Worten etwas Hall und Nachdruck, den ruhigen, freundlichen Wünschen; und man kennt und schätzt einander; man ist höflich. Die alte Dame ist eine heimliche Königin im Ort; man schätzt ihr Lob, fürchtet ihr Urteil. Drunten, in den Badeorten, wo man nicht müde wird, „Festivals” zu ersinnen, mag Trubel herrschen.

Droben, wo der deutsche Maler oder der englische Schriftsteller Eigentümer einer verlassenen, halbverfallenen „Fermette” geworden sind, mag man feiern unter Freunden, die von weither anreisten, zechen, singen, tanzen. Aber hier, im provenzalischen Städtchen, das berühmt durch sein Alter, seine landschaftliche und architektonische Schönheit ist, lebt man in einer heilen, menschenwürdigen Welt. „A votre sante, Mademoiselle!” — „A la vötre, Monsieur!”

Und der liebe Gott möge in diesem Sommer verhüten, daß die Pinienwälder allzu trocken werden, daß Touristen in Zelten und Wohnwagen nicht leichtsinnig mit Streichhölzern umgehen, daß kein Pyromane seiner Lust verfällt, eine schreckliche Feuersbrunst zu entfachen, die meilenweit den Hain zerstört, daß kein vergessener Spiegel auf einem Lagerplatz von der Sonne getroffen und zu einer Hitze veranlaßt wird, die sich Nahrung sucht, um zur Flamme zu werden!

Frankreich – Provence

29. April 2010

Frankreich – Provence

In der Kino-Trilogie „Wenn Ihr wüßtet, Franzosen”, in der Geschichtsdokumente von aktuellen Interviews unterbrochen, ergänzt, erläutert, entlarvt werden, kommt auch Leopold Sedar Senghor, einst Student der berühmten Ecole Normale Superieure zu Paris und Kommilitone des französischen Staatschefs Pompidou, heute Oberhaupt des Senegal, ausführlich zu Wort. Er sagt, nördlich der Loire seien die Bewohner Frankreichs Germanen, südlich aber gallo-romanischer Abstammung und Kultur. Das Film-Theater im alten Studentenviertel von Paris war voller Lachen.

Frankreich – Provence

Die Legende von der Loire-Linie, dem Gegenstück zu der Main- Legende, wird dort nicht mehr geglaubt. Aber es ist etwas daran. Mir ist unvergeßlich, daß in Aix-en-Provence ein vielgereister Mann von den Nordfranzosen als den „Boches du Nord” sprach: „Die verstehen sich auf die Arbeit, wir aber auf die Kunst zu leben!” Man kann darüber lachen. Aber es ist um so weniger falsch, je mehr daran geglaubt wird. Das Wort, das die Provenzalen gern den Leuten aus dem Norden und aus Paris entgegenstellen: „Bei uns ist alles anders!” ist ein Slogan geworden. Aber ein Slogan kann wahr sein.

Frankreich – Provence

Anders? Womöglich bloß anders, als man gedacht hat! Wahr ist, daß im Temperament der Meridionalen etwas Unbekümmertes, etwas Nonchalantes liegt. Aber die Arbeiter und Angestellten von Nimes beispielsweise lächeln nicht darüber, daß die Hälfte von ihnen weniger Lohn und Gehalt bezieht, als allgemein in Frankreich als Existenzminimum angesehen wird. Einem sorgenvollen Manne hatte ich das falsche Trostwort gesagt: „Wenn schon Sorgen, dann wenigstens im Paradies!” Worauf er erwiderte: „Ich lebe nicht darin, ich bin bloß vom Paradies umgeben.”

Frankreich – Provence

Und sie dehnen, verschärfen sich, werden zu Gegensätzen, die im Inneren der Menschen ausgetragen werden müssen. Es liegt etwas Herbes, Diszipliniertes, etwas dem Nonchalanten Entgegengesetzes in den Leuten dieser Gegend, „etwas Protestantisches”, wie man oft aus französischem Munde hören kann.

Frankreich – Provence

Und soweit sie wirklich protestantisch sind, pflegen sie die Erinnerung an die Religionskriege und sind doch von einer Toleranz gegenüber Andersdenkenden, die immer wieder gerühmt worden ist, beispielsweise von Juden, die sich während der deutschen Besatzungszeit zu ihnen flüchteten, und von „Pieds-noirs” aus Algerien, die hier eine neue Heimat fanden. Bei alledem ist dann auch wieder ein Mißtrauen, wenigstens eine Reserviertheit spürbar gegenüber Menschen, gegenüber Ideen, Plänen, Verordnungen, die von draußen, von „droben” kommen.

Frankreich – Provence

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

28. April 2010

„Unsicherer Boden” war die westindische Inselkette auch von ihrer Geschichte her. Die von Kolumbus aufgefundene Inselwelt wurde von Spaniern geprägt, von englischen Seeräubern heimgesucht, von englischen, französischen und holländischen Händlern beim Niedergang des spanischen Kolonialreiches in Besitz genommen. Die neuen Herren zogen Gewinn aus der Anpflanzung von Zuckerrohr, Tabak, Kaffee, Kakao, Bananen, Ananas.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Havannas Zigarren und Jamaikas Rum erlangten Weltruf. Die indianischen Ureinwohner, gutmütige Aruaks im Norden und gefährliche Kariben im Süden, waren schon zur Spanierzeit ausgerottet worden, da sie ungeeignet als Plantagen-Roboter waren. An ihre Stelle trat das „schwarze Elfenbein”: Negersklaven aus Afrika, deren Import vor allem in Händen britischer Unternehmer lag. Aber der Neger ist in biologischer Hinsicht der Gewinner. Die schwarze Bevölkerungsexplosion hat den ‘Weißen verdrängt. Der von Europäern okkupierte Boden ist nun großenteils Negerland.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Der Sohn des schwarzen Kontinents hat seinen Lebensraum auf weite Gebiete Westindiens ausgedehnt. Nur Kuba und Puerto Rico sind Reservate des europäischen Typus spanischer Prägung, doch auch diese teilweise farbig durchsetzt. Die Neger Westindiens haben Unabhängigkeit oder Autonomie erlangt, sie hegen ein inselbezogenes Nationalgefühl, vergessen aber durchaus nicht ihre afrikanischen Ursprünge, pflegen afrikanische Kulte und unterhalten Beziehungen zu Schwarz-Afrika.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Es gibt auf den Karibischen Inseln Herren mit schwarzer Hautfarbe, es gab sogar zwei Neger-Kaiser, einer, Faustin I., regierte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf Hispaniola und verteilte verschwenderisch Adelsprädikate. Doch der Masse der schwarzen Bevölkerung auf den Inseln Zauber der Unterwasserwelt geht es kaum besser als zur Sklavenzeit, auch dort nicht, wo das Kolonialzeitalter zu Ende ging.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Das Latifundiensystem in dem einen Staat ( Jamaika), die Überbevölkerung in dem anderen (Haiti), die unrationelle Wirtschaft und mangelnde Initiative auf allen Inseln verhindern die Bildung breitgestreuten Wohlstands. Die Westindische Föderation, die 1958 zumindest die britischen Inseln zu einer Einheit schmieden wollte, ist 1962 kläglich gescheitert. Die Inselfamilie ist praktisch alles andere als familiär. Zu mannigfaltig ist die politische und gesellschaftliche Palette.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas

28. April 2010

Die Inselgruppen der Karibik und der Bahamas bilden nach denen Ostindiens den größten Archipel der Erde. Sie haben seit ihrer Entdeckung stets eine maßgebliche Rolle gespielt. Man hat darum das Karibische Meer amerikanisches Mittelmeer genannt. Wer hier politisch Fuß faßt, besitzt den Schlüssel zur Westlichen Hemisphäre. Der vulkanische Charakter des Inselbereichs, an Landmasse etwa die Hälfte Frankreichs, hat auch symbolische Bedeutung für das politische Geschehen. Die Karibischen oder Westindischen Inseln bilden einen weit gespannten Bogen von Florida bis Venezuela. Spuren von Ablagerungen unterstützen die Hypothese, daß es sich dabei um die Gipfel eines vor 35 Millionen Jahren abgesunkenen Gebirges handelt. Man unterscheidet die Großen Antillen (Kuba, Jamaika, Hispaniola, Puerto Rico) und die Kleinen Antillen, einen Schwarm von Kleininseln und Inselbruchstücken, die bis Trinidad reichen, das man geographisch freilich eher zum südamerikanischen Subkontinent rechnet. Die Kleinen Antillen teilt man wiederum ein in solche „über dem Wind” und “unter dem Wind”; Grenzscheide ist die Insel Grenada. Die Inselfamilie formiert sich hauptsächlich aus kristallinem Schiefer und Vulkangestein, aus Sand- und Kalkstein. Das Meer ist durchschnittlich etwa 2500Meter tief, der Meeresgraben nördlich von Puerto Rico sogar etwa 7500 Meter. Rechnet man die Höhe der Inselprofile vorn Meeresgrund an, so handelt es sich um das mächtigste Gebirge der Welt.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas

Die bescheideneren Bahamas sind nur die Ouvertüre zur karibischen Inselwelt. Sie lagern vor den Großen Antillen, an den engsten Stellen 100 Kilometer von Florida und 100 von Kuba entfernt. Sie dienten auch als
Startrampe der Conquista; Kolumbus landete 1492 auf der Bahama-Insel Guanahani (heute San Salvador), um dann erst in den Bannkreis Westindiens einzutreten — sein Irrtum, Indien erreicht zu haben, hat zu dieser noch gebräuchlichen Namensgebung geführt.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas


Nach den flacheren Bahamas steigen die Inseln der Karibik — insgesamt sind es etwa 700 — zu teilweise imponierenden Höhen auf. Höchster Gipfel ist der Pico Duarte in der Dominikanischen Republik mit 3175 Metern.
Manche Berge machen sich immer wieder durch Ausbrüche bedrohlich bemerkbar. Die größte Katastrophe verursachte 1902 der Mont Pelee (1397 Meter) auf Martinique, von den Kariben einst „flammender Berg” genannt. Saint Pierre, das „Paris der Neuen Welt”, erlebte 1902 einen Ausbruch des Vulkans, der dem des Vesuv im Jahre 79 nicht nachstand. „Unter heiterstem Himmel der unsicherste Boden” — Goethes Wort von der Sirenenbucht Neapels gilt auch hier.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas


Das Tropenklima bringt auf fruchtbarem Boden — soweit Entwaldung nicht zu Verkarstung geführt hat — eine üppige Vegetation hervor: tropische Regenwälder, Mangroven, Königs- und Kokospalmen, mexikanische Zedern, Agaven, Orchideen. Nur wo die Berge den Regen abhalten, auf der Leeseite der Inseln, ist trostlose Trockenheit, karger Lebensraum für Dornbüsche und Kakteen.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas

Außer dem Aschenregen der Vulkane und gelegentlichen Erdbeben kennen die Inseln eine weitere Katastrophe: den Wirbelsturm. Hat sich im Herbst im
Bereich der Kleinen Antillen Heißluft angesammelt, so entsteht nach den ersten starken Regenfällen der Hurrikan (das indianische Wort bedeutet
„böser Geist”). Von Barbados aus setzt er sich in einer Geschwindigkeit bis zu 250 Stundenkilometern in Richtung Florida in Bewegung. 1953 forderte
er auf Jamaika 109 Tote.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas

Der Leutnant

24. April 2010

Der Leutnant wurde wütend. „Wenn_ Ihr uns den Ort nicht zeigt”, drohte er, „so lasse ich Euch auspeitschen!” Das wirkte. Dailey mußte also eine kleine Gruppe von Soldaten und einen Offizier zu seinem Fundort hinführen. Da er ganz nahe der Küste liege, müßten sie im Boot hinfahren. Alle bestiegen einen Kahn und fuhren am Ufer entlang, wo an einer bestimmten Stelle gehalten wurde. „Dort am Waldrand”, erklärte Dailey, „liegt der Ort.

Ich bitte, mich für einen Augenblick entfernen zu dürfen. Dann führe ich Sie hin.” Er erhielt die Erlaubnis, denn auch Sträflinge haben ja ihre unvermeidlichen Bedürfnisse (hier warf Mary dem Erzähler einen strafenden Blick zu). Aber — er kam nicht wieder. Der Offizier wartete vergebens. Die waldige, bergige Gegend war sowohl ihm wie auch den Soldaten gänzlich fremd. Er schickte einen der Leute in den Wald, um den Sträfling zu suchen, setzte sich in den Kahn und wartete. Der Tag verging, Dailey kam nicht, und der Soldat kam auch nicht.

Inzwischen aber war Dailey, der mit der Gegend gut vertraut war, längst am Lagerplatz, der heute Sydney heißt, eingetroffen, erklärte dem Gouverneur-Leutnant, der Offizier sei an der reichen Goldstelle zurückgeblieben, um sie genau zu durchforschen, ging zu seinem Zelt, brach es ab. packte sein Bündel und ging fort. Ob er Gladys vorher abgeholt und dann mitgenommen hat, ist nicht überliefert worden. Na, der Offizier in seinem Kahn bekam einen gelinden Tobsuchtsanfall vor Wut, weil er allmählich merkte, daß er hinters Licht geführt worden war, und der Soldat, den er hinter dem Sträfling hergeschickt hatte, traf abgerackert, miide und fluchend im Sydneylager ein, wo er sich sofort hinlegte und einen tiefen Schlaf tat. Am Morgen erst kamen die anderen. Dailey jedoch war weg.

Wie fast alle entlaufenen Sträflinge jener Zeit, kehrte auch er sehr bald wieder zurück-, weil er sonst elend verhungert wäre. Er empfing gelassen seine fünfzig Hiebe und erklärte, er habe ja gleich gesagt, daß er das Goldlager ausschließlich dem Gouverneur selbst verraten werde. Als Phillip nun von der Sache erfuhr, war er zwar skeptisch. schickte jedoch trotzdem den Sträfling in Begleitung eines Soldaten los. Diesmal freilich gelang es Dailey nicht, sich zu entfernen, denn sein Begleiter hielt sich dicht auf seinen Fersen. So erklärte er denn demütigst, daß alles Schwindel sei, wurde ins Lager zurückgeführt und mußte hier dem zornigen Gouverneur erklären, was denn min eigentlich Goldenes in jener Erdprobe sei. Dailey war ein ehemaliger Goldschmied, er kannte sich also mit derartigen Kunststücken aus. Er hatte von einer Guinee ein bißchen Gold abgeschliffen, von einer Schnalle etwas Messing, beides mit Erde vermischt und gehärtet. Die Täuschung war vollkommen. Zur Strafe bekam er seine zweiten „Fünfzig”. — Ist also Dailey nicht wirklich der erste Prophet des australischen Goldes gewesen?” „Sie sind ein Schwindler wie dieser Dailey”, schalt Mary empört und empfing dafür einen liebevollen Blick von William.

Aber es ist eine hübsche Geschichte!” „Und Sie ist wahrhaftig wahr, Mr. v. Pannwitz — ich bin ja schuldlos daran.” „Man müßte diese Geschichten sammeln und aufschreiben: dann käme eine Historie zusammen, die ein tausendmal getreueres Bild geben würde,’ als alle noch so echten Dokumente!”
Um Himmels willen, schweigen Sie!”, rief Hunter entsetzt. „Der gute William bekommt es sonst fertig, unter die Schriftsteller zu gehen.”

William Ruse

21. April 2010

William Ruse stand im Alter Friedrichs — Anfang der Zwanziger. Er gewann sofort durch seine Frische & Geradheit, seine Heiterkeit & Unternehmungsfreude — eine kräftige Erscheinung, blond, groß, sorgfältig gekleidet & .von einer Lebhaftigkeit, die nie ermüdete & nie zur Ermüdung brachte. Friedrich merkte bald, dass ein geheimes Einverständnis zwischen ihm & der Tochter des Hauses waltete & konnte sich eines leichten Neides nicht erwehren : denn Mary war ungewöhnlich hübsch, sehr still & zurückhaltend, fast scheu, aber von einer Anmut & Innigkeit die bezauberte.
Das Gespräch wendete sich Kalifornien zu. Rase kannte überraschenderweise die dortigen Verhältnisse sehr genau & hatte auch von der berühmten Theorie Alexander von Humboldts gehört, derzufolge gewisse nordsüdlich verlaufende Gebirge meist Gold besäßen. Streng genommen paßte seine allzu lebhafte Teilnahme an der Goldbesessenheit, die damals die ganze Erde gepackt hatte, zu seinem soliden Wesen nicht.

Aber es war wohl weniger der Wunsch, sieh selbst an der Goldsuche zu beteiligen; er ahnte, daß sich die Erschließung Australiens durch die Entdeckung von Gold sehr beschleunigen werde & erwartete daher als guter Kaufmann wachsende Geschäfte. So erwies er sich auch als treuer Anhänger Edward Hargreaves, eines Sydnevers, der sich durch die Beharrlichkeit seiner Behauptung, in den Manen Bergen- viel  Gold in Gülle zu finden sein, nicht gerade den besten Namen gemacht hatte — jedenfalls bei den ruhigen, die stete und sichere Entwicklung bevorzugenden Bürgern, zu denen auch Hunter gehörte. Von Hargreaves wurde überall gesprochen, wo man von Kalifornien sprach — und das geschah in diesen Jahren überall.

Die Bretagne – Frankreich

21. April 2010

Die Bretagne  (bretonisch , deutsch veraltet auch Kleinbritannien) ist eine westfranzösische  Region, das Land einer alten Nation im Nordwesten Europas. Die Hauptstädte der Bretagne sind Rennes  und historisch Nantes . Die Gallier nannten dieses Land Aremorica , was so viel bedeutet wie „Land am Meer“. Die Einwohner der Bretagne heißen Bretonen.

An der Küste der Bretagne existieren 2000 km lange Pfade & Reitwege. Die einzigartige Natur & Umwelt bietet eine Vielzahl an Wander – und Reitmöglichkeiten.

Ich komme aus Kalifornien

20. April 2010

„Sie wünschen?” fragte er. „Ich komme aus Kalifornien, mein Name ist Friedrich v. Pannwitz. Herr Flaxman aus San Franzisko war so freundlich, mich an Sie zu empfehlen. Haben Sie seinen Brief noch nicht erhalten?” „Nein noch nicht! Er wird noch auf unserer Post liegen. Wir haben es nicht so eilig”, tröstete Hunter. „Womit darf ich Ihnen dienen?”

Der junge Deutsche entnahm seiner Brieftasche einen Brief. „Herr Flaxman hat diesen Fall weise vorausgesehen”, erklärte er lachend. „In diesem Briefe finden Sie den besten Ausweis über mich.” Er reichte ihn Hunter hinüber. „Ich komme nach Australien, um das Land kennenzulernen und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir fiir die erste Zeit ein wenig behilflich sein könnten.”
Der Kaufmann überflog das Empfehlungsschreiben und streckte dem Gast herzlich die Hände entgegen. „Selbstverständlich sind Sie uns willkommen, solange Sie wollen! Meine Frau und meine Tochter Mary werden sich freuen. Sie zu sehen. Bitte, darf ich Sie in die Wohnung führen, damit Ihr Zimmer bereit gemacht wird und ich Sie mit meiner Familie bekannt machen kann? Leider ist mein Sohn Humphrey nicht anwesend. Ich habe ihn nach London zur Erziehung geschickt. Hier bitte, die Treppe hinauf.”
Pannwitz fühlte sich schnell heimisch. Alle waren freundlich und zuvorkommend zu ihm, und als sich die kleine Familie abends zum Tee in dem behaglich eingerichteten Wohnzimmer niedergelassen hatte, war es ihm, als kenne er diese Menschen schon ein Leben lang. Henry Hunter gab sich alle Mühe, seinem Gast alles Sehenswerte zu zeigen, er versäumte sogar seine Geschäftszeit, und das war bei seiner strengen Pünktlichkeit sehr viel. „Sie werden heute Abend”, sagte er zu Friedrich, als sie die prächtige Georgestraße durchwanderten, „einen lieben Freund unseres Hauses kennenlernen: William Ruse. Sein Vater besitzt in Paramatta eine große Gärtnerei und versorgt fast ganz Sydney mit Gemüse, Früchten und Blumen.”

„Ruse? Ich habe in San Franzisko ein Buch über die Anfangszeit der Kolonie gelesen; wenn ich mich nicht irre. hieß der erste Freigelassene, der hier angesiedelt wurde. James Ruse.” Hunter lächelte. „William ist sein Enkel; die Gärtnerei liegt auf dem Land seines Großvaters, das durch spätere Käufe beträchtlich vergrößert worden ist.” „Die englische Justiz war grausam! rief Friedrich schaudernd aus.

Dann setzte sich der Wagen in Bewegung

20. April 2010

Er nickte. „Ich weiß schon, Sir!” Dann setzte  sich der Wagen in Bewegung. Je tiefer er Friedrich in die Stadt mit ihren breiten, gepflegten Straßen trug, um so größer wurde sein Erstaunen über das bewegte Leben, das sie durchströmte. Schwerbeladene Rollwagen strebten zum Hafen, Ochsengespanne mit Wollballen fuhren langsam, unter ihrer Last krachend und knarrend, vorüber. Vor den Verkaufsbuden drängten sich die Menschen, in den eleganten Schaufenstern häuften sich in geschmackvollster Anordnung die Waren — nicht anders wie er es vor anderthalb oder zwei Jahren in Paris und Newyork auch gesehen hatte.

Pannwitz’ kalifornischer Geschäftsfreund hatte Hunter’s Geschichte ausführlich erzählt, nicht ohne sich als stolzer nordamerikanischer Bürger über dieses Stück englischer Heuchelei und Grausamkeit heftig zu empören. —
Der Vater jenes Henry Hunter war mit Kapitän Phillip als Sträfling ins Land gekommen. Sein Schicksal war beispielhaft für die australische Anfangszeit. Als junger Buchhalter bei einem wegen seiner puritanischen Strenge berüchtigten Londoner Kaufmann angestellt, sah er einer zwar einigermaßen sicheren, sozial allerdings nicht sonderlich günstigen Zukunft entgegen, da er wegen seiner Armut unter normalen Umständen nie zu einem selbständigen Unternehmen kommen konnte. Er vergaß den furchtbaren Tag, der ihn plötzlich aus aller Ordnung riß und unter die Geächteten und Verbrecher warf. niemals — obwohl doch dieser Schicksalsschlag, so unmenschlich grausam er gewesen sein mochte, seinen späteren Reichtum begründete! Er wollte nämlich an jenem Tage fiir seine Mutter eine Besorgung machen und stellte zu seinem Ärger fest. daß er sein Geld vergessen hatte. Sollte er den Kauf aufschieben? Bis zum nächsten Tage warten? Aber er verwaltete ja die Kasse! Er arbeitete lange genug auf seinem Posten, um Vertrauen verdient zu haben! So entlieh er sich also zehn Schilling. vergaß jedoch in der Hast eines besonders arbeitsreichen Tages einen Zettel in die Kasse zu tun. Das war eine bescheidene Unterlassungssünde, die jeder, der ihn kannte. ohne weiteres als solche erkannt haben würde — nicht jedoch der überaus ehrenwerte Mr. Parker, sein Chef. Er entdeckte nämlich am Abend die kleine Differenz und ließ seinen Buchhalter am folgenden Morgen kurzerhand verhaften. Hunter protestierte, er verwies vergebens auf seine unleugbare Ehrlichkeit: die Klage des einflußreichen Kaufmannes wog schwerer als die Verteidigung des armen Angestellten. Die Richter verurteilten ihn zu sieben Jahren Deportation. John Hunters alte Mutter starb vor Schrecken über das grausame Urteil an einem Herzschlag, und es war eine ganz besondere Gnade, daß der Sohn, unter scharfer Bewachung natürlich, an der Beerdigung teilnehmen durfte. Dann stach die Flotte Phillips in See, um dreiviertel Jahre später in Port Jackson einzulaufen.
John war ein tüchtiger Mann, furchtlos und aufrichtig;
er zerbrach nicht an seinem Schicksal, ein stählerner Wille.
diese schreckliche Zeit, die vor im lag, zu überwinden, gab
ihm Kraft. Seine Willigkeit und sein natürlicher Anstand
fielen dem wegen seiner Gerechtigkeit beliebten Kapitän
der zugleich der erste Gouverneur der neuen Kolonie
war — schnell auf. Er bevorzugte den Sträfling nicht, aber
er achtete auf ihn. Er teilte ihn dem Depotverwalter zu,
dessen Bücher er zu führen hatte, wenn er Hunter hrttinsecilenne Magazinen selbst arbeiten mußte. Als John T Strafzeit hinter sich hatte, durfte er in der kleinen Stadt Sydney ein Häuschen bauen, in dem er einen Laden betrieb. Später widmete er sich immer mehr dem rasch aufblühenden Wollhandel und entwickelte sein Unternehmen zu einem Export- und Importgeschäft, das durch die günstige Lage des Hauses schnell an Umfang gewann. Er wurde ein reicher Mann. Aus einer glücklichen Ehe mit der Tochter eines freien Siedlers aus Paramatta wuchsen ihm zwei Kinder, deren einer Henry war. Elisabeth, die Tochter, heiratete nach London. Henry übernahm das Unternehmen, während der Vater, müde des Treibens, sich in ein kleines hübsches Landhaus zurückzog, welches er sich in Mardy, nahe der Meeresküste, hatte bauen lassen. Hier in der Nachbarschaft seines Freundes und Leidensgenossen George Howe, des Gründers der ersten australischen Zeitung — des Sydney Herald — lebte er einsam und behaglich mit seiner Frau. Sein Blumengarten war eine kleine Berühmheit geworden. Am Tor seines staatlichen Steinhauses empfing der australische Kaufmann, ein rundlicher, sehr lebendiger Herr in den Vierzigern, seinen deutschen Gast.