Der Leutnant wurde wütend. „Wenn_ Ihr uns den Ort nicht zeigt”, drohte er, „so lasse ich Euch auspeitschen!” Das wirkte. Dailey mußte also eine kleine Gruppe von Soldaten und einen Offizier zu seinem Fundort hinführen. Da er ganz nahe der Küste liege, müßten sie im Boot hinfahren. Alle bestiegen einen Kahn und fuhren am Ufer entlang, wo an einer bestimmten Stelle gehalten wurde. „Dort am Waldrand”, erklärte Dailey, „liegt der Ort.
Ich bitte, mich für einen Augenblick entfernen zu dürfen. Dann führe ich Sie hin.” Er erhielt die Erlaubnis, denn auch Sträflinge haben ja ihre unvermeidlichen Bedürfnisse (hier warf Mary dem Erzähler einen strafenden Blick zu). Aber — er kam nicht wieder. Der Offizier wartete vergebens. Die waldige, bergige Gegend war sowohl ihm wie auch den Soldaten gänzlich fremd. Er schickte einen der Leute in den Wald, um den Sträfling zu suchen, setzte sich in den Kahn und wartete. Der Tag verging, Dailey kam nicht, und der Soldat kam auch nicht.
Inzwischen aber war Dailey, der mit der Gegend gut vertraut war, längst am Lagerplatz, der heute Sydney heißt, eingetroffen, erklärte dem Gouverneur-Leutnant, der Offizier sei an der reichen Goldstelle zurückgeblieben, um sie genau zu durchforschen, ging zu seinem Zelt, brach es ab. packte sein Bündel und ging fort. Ob er Gladys vorher abgeholt und dann mitgenommen hat, ist nicht überliefert worden. Na, der Offizier in seinem Kahn bekam einen gelinden Tobsuchtsanfall vor Wut, weil er allmählich merkte, daß er hinters Licht geführt worden war, und der Soldat, den er hinter dem Sträfling hergeschickt hatte, traf abgerackert, miide und fluchend im Sydneylager ein, wo er sich sofort hinlegte und einen tiefen Schlaf tat. Am Morgen erst kamen die anderen. Dailey jedoch war weg.
Wie fast alle entlaufenen Sträflinge jener Zeit, kehrte auch er sehr bald wieder zurück-, weil er sonst elend verhungert wäre. Er empfing gelassen seine fünfzig Hiebe und erklärte, er habe ja gleich gesagt, daß er das Goldlager ausschließlich dem Gouverneur selbst verraten werde. Als Phillip nun von der Sache erfuhr, war er zwar skeptisch. schickte jedoch trotzdem den Sträfling in Begleitung eines Soldaten los. Diesmal freilich gelang es Dailey nicht, sich zu entfernen, denn sein Begleiter hielt sich dicht auf seinen Fersen. So erklärte er denn demütigst, daß alles Schwindel sei, wurde ins Lager zurückgeführt und mußte hier dem zornigen Gouverneur erklären, was denn min eigentlich Goldenes in jener Erdprobe sei. Dailey war ein ehemaliger Goldschmied, er kannte sich also mit derartigen Kunststücken aus. Er hatte von einer Guinee ein bißchen Gold abgeschliffen, von einer Schnalle etwas Messing, beides mit Erde vermischt und gehärtet. Die Täuschung war vollkommen. Zur Strafe bekam er seine zweiten „Fünfzig”. — Ist also Dailey nicht wirklich der erste Prophet des australischen Goldes gewesen?” „Sie sind ein Schwindler wie dieser Dailey”, schalt Mary empört und empfing dafür einen liebevollen Blick von William.
Aber es ist eine hübsche Geschichte!” „Und Sie ist wahrhaftig wahr, Mr. v. Pannwitz — ich bin ja schuldlos daran.” „Man müßte diese Geschichten sammeln und aufschreiben: dann käme eine Historie zusammen, die ein tausendmal getreueres Bild geben würde,’ als alle noch so echten Dokumente!”
Um Himmels willen, schweigen Sie!”, rief Hunter entsetzt. „Der gute William bekommt es sonst fertig, unter die Schriftsteller zu gehen.”