Mit ‘Karibik’ getaggte Artikel

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Freitag, 30. April 2010

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Die Kontakte von Eiland zu Eiland sind, obwohl die Inseln bis auf zwei in gegenseitiger Sichtweite liegen, äußerst gering. Es gibt kaum eine Wirtschaftsverklammerung. Die einen blicken nach London ( Jamaika, Trinidad, Barbados etc.), andere nach Paris (Guadeloupe, Martinique) oder Amsterdam (Curaao zum Beispiel), wieder andere nach Washington (Puerto Rico).

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Nur drei Staaten sind uneingeschränkt eigenständig: Kuba, Haiti, die Dominikanische Republik.  Fidel Castros Sieg 1959 über den „Napoleon der Antillen”, Fulgencio Batista, ein Weltproblem geworden. Die Isolation der kommunistisch orientierten Insel innerhalb des Archipels ist total. Haiti auf Hispaniola hat, um sich gegen die spanischsprechenden Nachbarn abzugrenzen, das Französische als Staatssprache gewählt — ein Negerstaat mit französischem Patois. Gleichfalls auf Hispaniola liegt die Dominikanische Republik. Ihre Hauptstadt Santo Domingo war zur Zeit des spanischen Imperium Sitz des Indienrats und damit der entscheidenden Kolonialbehörde.

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Die Republik hat sich nach der Ermordung des Diktators Trujillo 1961 eine nordamerikanische Intervention gefallen lassen müssen, die einen den USA genehmen Kurs anbahnte. Zu den vielen Problemen der karibischen Inselfamilien zählt auch dieses: die nordamerikanische Einmischung, öffentlich oder geheim, massiv oder subtil, unter Einsatz der Marineinfanterie oder der CIA.

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Auf den Bahamas herrscht noch politische Windstille. Sie sind seit der Puritaner-Einwanderung 1629 gut englisch, bis auf die Külpverschalung der Holzhäuser. Nur 20 der vielen hundert Eilande sind bewohnt. Als von 1940 bis 1945 der Herzog von Windsor hier als Gouverneur residierte, bewirkte dies einen Run vieler Angelsachsen auf den gesellschaftlich aufgewerteten Archipel, zumal auf die Hauptstadt Nassau auf New Providence. Die „Cays” der Bahamas — so nennt man hier die Kleininseln — sind vorwiegend schwarz besiedelt. Neben Sisalpflanzern treffen wir vor allem Fischer an.

Jamaika, Trinidad, Barbados Bahamas & Karibik

Zu den wenigen Stützen, auf denen die Wirtschaft ruht, kam neuerdings die Fremdenindustrie. Man hat Westindien als Erholungsparadies entdeckt. Hemingway war einer der Avantgardisten. US-Millionäre, von jeher passionierte Hochsee-Sportfischer, verbringen ihre Ferien auf Paradise Island. In Puerto Rico, Jamaika, Barbados, Haiti sprießen Hotelwolkenkratzer auf. Europa, das die Karibik und die Bahamas vor einem Halbjahrtausend entdeckt hat, rüstet nun eine zweite Conquista aus: Touristikflotten, die erholungsbedürftige Großstädter der Alten Welt in die Neue Welt der glühenden karibischen Sonne tragen.

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Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Mittwoch, 28. April 2010

„Unsicherer Boden” war die westindische Inselkette auch von ihrer Geschichte her. Die von Kolumbus aufgefundene Inselwelt wurde von Spaniern geprägt, von englischen Seeräubern heimgesucht, von englischen, französischen und holländischen Händlern beim Niedergang des spanischen Kolonialreiches in Besitz genommen. Die neuen Herren zogen Gewinn aus der Anpflanzung von Zuckerrohr, Tabak, Kaffee, Kakao, Bananen, Ananas.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Havannas Zigarren und Jamaikas Rum erlangten Weltruf. Die indianischen Ureinwohner, gutmütige Aruaks im Norden und gefährliche Kariben im Süden, waren schon zur Spanierzeit ausgerottet worden, da sie ungeeignet als Plantagen-Roboter waren. An ihre Stelle trat das „schwarze Elfenbein”: Negersklaven aus Afrika, deren Import vor allem in Händen britischer Unternehmer lag. Aber der Neger ist in biologischer Hinsicht der Gewinner. Die schwarze Bevölkerungsexplosion hat den ‘Weißen verdrängt. Der von Europäern okkupierte Boden ist nun großenteils Negerland.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Der Sohn des schwarzen Kontinents hat seinen Lebensraum auf weite Gebiete Westindiens ausgedehnt. Nur Kuba und Puerto Rico sind Reservate des europäischen Typus spanischer Prägung, doch auch diese teilweise farbig durchsetzt. Die Neger Westindiens haben Unabhängigkeit oder Autonomie erlangt, sie hegen ein inselbezogenes Nationalgefühl, vergessen aber durchaus nicht ihre afrikanischen Ursprünge, pflegen afrikanische Kulte und unterhalten Beziehungen zu Schwarz-Afrika.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Es gibt auf den Karibischen Inseln Herren mit schwarzer Hautfarbe, es gab sogar zwei Neger-Kaiser, einer, Faustin I., regierte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf Hispaniola und verteilte verschwenderisch Adelsprädikate. Doch der Masse der schwarzen Bevölkerung auf den Inseln Zauber der Unterwasserwelt geht es kaum besser als zur Sklavenzeit, auch dort nicht, wo das Kolonialzeitalter zu Ende ging.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Das Latifundiensystem in dem einen Staat ( Jamaika), die Überbevölkerung in dem anderen (Haiti), die unrationelle Wirtschaft und mangelnde Initiative auf allen Inseln verhindern die Bildung breitgestreuten Wohlstands. Die Westindische Föderation, die 1958 zumindest die britischen Inseln zu einer Einheit schmieden wollte, ist 1962 kläglich gescheitert. Die Inselfamilie ist praktisch alles andere als familiär. Zu mannigfaltig ist die politische und gesellschaftliche Palette.

Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas

Mittwoch, 28. April 2010

Die Inselgruppen der Karibik und der Bahamas bilden nach denen Ostindiens den größten Archipel der Erde. Sie haben seit ihrer Entdeckung stets eine maßgebliche Rolle gespielt. Man hat darum das Karibische Meer amerikanisches Mittelmeer genannt. Wer hier politisch Fuß faßt, besitzt den Schlüssel zur Westlichen Hemisphäre. Der vulkanische Charakter des Inselbereichs, an Landmasse etwa die Hälfte Frankreichs, hat auch symbolische Bedeutung für das politische Geschehen. Die Karibischen oder Westindischen Inseln bilden einen weit gespannten Bogen von Florida bis Venezuela. Spuren von Ablagerungen unterstützen die Hypothese, daß es sich dabei um die Gipfel eines vor 35 Millionen Jahren abgesunkenen Gebirges handelt. Man unterscheidet die Großen Antillen (Kuba, Jamaika, Hispaniola, Puerto Rico) und die Kleinen Antillen, einen Schwarm von Kleininseln und Inselbruchstücken, die bis Trinidad reichen, das man geographisch freilich eher zum südamerikanischen Subkontinent rechnet. Die Kleinen Antillen teilt man wiederum ein in solche „über dem Wind” und “unter dem Wind”; Grenzscheide ist die Insel Grenada. Die Inselfamilie formiert sich hauptsächlich aus kristallinem Schiefer und Vulkangestein, aus Sand- und Kalkstein. Das Meer ist durchschnittlich etwa 2500Meter tief, der Meeresgraben nördlich von Puerto Rico sogar etwa 7500 Meter. Rechnet man die Höhe der Inselprofile vorn Meeresgrund an, so handelt es sich um das mächtigste Gebirge der Welt.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas

Die bescheideneren Bahamas sind nur die Ouvertüre zur karibischen Inselwelt. Sie lagern vor den Großen Antillen, an den engsten Stellen 100 Kilometer von Florida und 100 von Kuba entfernt. Sie dienten auch als
Startrampe der Conquista; Kolumbus landete 1492 auf der Bahama-Insel Guanahani (heute San Salvador), um dann erst in den Bannkreis Westindiens einzutreten — sein Irrtum, Indien erreicht zu haben, hat zu dieser noch gebräuchlichen Namensgebung geführt.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas


Nach den flacheren Bahamas steigen die Inseln der Karibik — insgesamt sind es etwa 700 — zu teilweise imponierenden Höhen auf. Höchster Gipfel ist der Pico Duarte in der Dominikanischen Republik mit 3175 Metern.
Manche Berge machen sich immer wieder durch Ausbrüche bedrohlich bemerkbar. Die größte Katastrophe verursachte 1902 der Mont Pelee (1397 Meter) auf Martinique, von den Kariben einst „flammender Berg” genannt. Saint Pierre, das „Paris der Neuen Welt”, erlebte 1902 einen Ausbruch des Vulkans, der dem des Vesuv im Jahre 79 nicht nachstand. „Unter heiterstem Himmel der unsicherste Boden” — Goethes Wort von der Sirenenbucht Neapels gilt auch hier.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas


Das Tropenklima bringt auf fruchtbarem Boden — soweit Entwaldung nicht zu Verkarstung geführt hat — eine üppige Vegetation hervor: tropische Regenwälder, Mangroven, Königs- und Kokospalmen, mexikanische Zedern, Agaven, Orchideen. Nur wo die Berge den Regen abhalten, auf der Leeseite der Inseln, ist trostlose Trockenheit, karger Lebensraum für Dornbüsche und Kakteen.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas

Außer dem Aschenregen der Vulkane und gelegentlichen Erdbeben kennen die Inseln eine weitere Katastrophe: den Wirbelsturm. Hat sich im Herbst im
Bereich der Kleinen Antillen Heißluft angesammelt, so entsteht nach den ersten starken Regenfällen der Hurrikan (das indianische Wort bedeutet
„böser Geist”). Von Barbados aus setzt er sich in einer Geschwindigkeit bis zu 250 Stundenkilometern in Richtung Florida in Bewegung. 1953 forderte
er auf Jamaika 109 Tote.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas