„Unsicherer Boden” war die westindische Inselkette auch von ihrer Geschichte her. Die von Kolumbus aufgefundene Inselwelt wurde von Spaniern geprägt, von englischen Seeräubern heimgesucht, von englischen, französischen und holländischen Händlern beim Niedergang des spanischen Kolonialreiches in Besitz genommen. Die neuen Herren zogen Gewinn aus der Anpflanzung von Zuckerrohr, Tabak, Kaffee, Kakao, Bananen, Ananas.
Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas
Havannas Zigarren und Jamaikas Rum erlangten Weltruf. Die indianischen Ureinwohner, gutmütige Aruaks im Norden und gefährliche Kariben im Süden, waren schon zur Spanierzeit ausgerottet worden, da sie ungeeignet als Plantagen-Roboter waren. An ihre Stelle trat das „schwarze Elfenbein”: Negersklaven aus Afrika, deren Import vor allem in Händen britischer Unternehmer lag. Aber der Neger ist in biologischer Hinsicht der Gewinner. Die schwarze Bevölkerungsexplosion hat den ‘Weißen verdrängt. Der von Europäern okkupierte Boden ist nun großenteils Negerland.
Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas
Der Sohn des schwarzen Kontinents hat seinen Lebensraum auf weite Gebiete Westindiens ausgedehnt. Nur Kuba und Puerto Rico sind Reservate des europäischen Typus spanischer Prägung, doch auch diese teilweise farbig durchsetzt. Die Neger Westindiens haben Unabhängigkeit oder Autonomie erlangt, sie hegen ein inselbezogenes Nationalgefühl, vergessen aber durchaus nicht ihre afrikanischen Ursprünge, pflegen afrikanische Kulte und unterhalten Beziehungen zu Schwarz-Afrika.
Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas
Es gibt auf den Karibischen Inseln Herren mit schwarzer Hautfarbe, es gab sogar zwei Neger-Kaiser, einer, Faustin I., regierte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf Hispaniola und verteilte verschwenderisch Adelsprädikate. Doch der Masse der schwarzen Bevölkerung auf den Inseln Zauber der Unterwasserwelt geht es kaum besser als zur Sklavenzeit, auch dort nicht, wo das Kolonialzeitalter zu Ende ging.
Unsicherer Boden – Karibik & Bahamas
Das Latifundiensystem in dem einen Staat ( Jamaika), die Überbevölkerung in dem anderen (Haiti), die unrationelle Wirtschaft und mangelnde Initiative auf allen Inseln verhindern die Bildung breitgestreuten Wohlstands. Die Westindische Föderation, die 1958 zumindest die britischen Inseln zu einer Einheit schmieden wollte, ist 1962 kläglich gescheitert. Die Inselfamilie ist praktisch alles andere als familiär. Zu mannigfaltig ist die politische und gesellschaftliche Palette.
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