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Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas

Mittwoch, 28. April 2010

Die Inselgruppen der Karibik und der Bahamas bilden nach denen Ostindiens den größten Archipel der Erde. Sie haben seit ihrer Entdeckung stets eine maßgebliche Rolle gespielt. Man hat darum das Karibische Meer amerikanisches Mittelmeer genannt. Wer hier politisch Fuß faßt, besitzt den Schlüssel zur Westlichen Hemisphäre. Der vulkanische Charakter des Inselbereichs, an Landmasse etwa die Hälfte Frankreichs, hat auch symbolische Bedeutung für das politische Geschehen. Die Karibischen oder Westindischen Inseln bilden einen weit gespannten Bogen von Florida bis Venezuela. Spuren von Ablagerungen unterstützen die Hypothese, daß es sich dabei um die Gipfel eines vor 35 Millionen Jahren abgesunkenen Gebirges handelt. Man unterscheidet die Großen Antillen (Kuba, Jamaika, Hispaniola, Puerto Rico) und die Kleinen Antillen, einen Schwarm von Kleininseln und Inselbruchstücken, die bis Trinidad reichen, das man geographisch freilich eher zum südamerikanischen Subkontinent rechnet. Die Kleinen Antillen teilt man wiederum ein in solche „über dem Wind” und “unter dem Wind”; Grenzscheide ist die Insel Grenada. Die Inselfamilie formiert sich hauptsächlich aus kristallinem Schiefer und Vulkangestein, aus Sand- und Kalkstein. Das Meer ist durchschnittlich etwa 2500Meter tief, der Meeresgraben nördlich von Puerto Rico sogar etwa 7500 Meter. Rechnet man die Höhe der Inselprofile vorn Meeresgrund an, so handelt es sich um das mächtigste Gebirge der Welt.

Mittelmeer der Neuen Welt Karibik & Bahamas

Die bescheideneren Bahamas sind nur die Ouvertüre zur karibischen Inselwelt. Sie lagern vor den Großen Antillen, an den engsten Stellen 100 Kilometer von Florida und 100 von Kuba entfernt. Sie dienten auch als
Startrampe der Conquista; Kolumbus landete 1492 auf der Bahama-Insel Guanahani (heute San Salvador), um dann erst in den Bannkreis Westindiens einzutreten — sein Irrtum, Indien erreicht zu haben, hat zu dieser noch gebräuchlichen Namensgebung geführt.

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Nach den flacheren Bahamas steigen die Inseln der Karibik — insgesamt sind es etwa 700 — zu teilweise imponierenden Höhen auf. Höchster Gipfel ist der Pico Duarte in der Dominikanischen Republik mit 3175 Metern.
Manche Berge machen sich immer wieder durch Ausbrüche bedrohlich bemerkbar. Die größte Katastrophe verursachte 1902 der Mont Pelee (1397 Meter) auf Martinique, von den Kariben einst „flammender Berg” genannt. Saint Pierre, das „Paris der Neuen Welt”, erlebte 1902 einen Ausbruch des Vulkans, der dem des Vesuv im Jahre 79 nicht nachstand. „Unter heiterstem Himmel der unsicherste Boden” — Goethes Wort von der Sirenenbucht Neapels gilt auch hier.

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Das Tropenklima bringt auf fruchtbarem Boden — soweit Entwaldung nicht zu Verkarstung geführt hat — eine üppige Vegetation hervor: tropische Regenwälder, Mangroven, Königs- und Kokospalmen, mexikanische Zedern, Agaven, Orchideen. Nur wo die Berge den Regen abhalten, auf der Leeseite der Inseln, ist trostlose Trockenheit, karger Lebensraum für Dornbüsche und Kakteen.

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Außer dem Aschenregen der Vulkane und gelegentlichen Erdbeben kennen die Inseln eine weitere Katastrophe: den Wirbelsturm. Hat sich im Herbst im
Bereich der Kleinen Antillen Heißluft angesammelt, so entsteht nach den ersten starken Regenfällen der Hurrikan (das indianische Wort bedeutet
„böser Geist”). Von Barbados aus setzt er sich in einer Geschwindigkeit bis zu 250 Stundenkilometern in Richtung Florida in Bewegung. 1953 forderte
er auf Jamaika 109 Tote.

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